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Aktuelles

TARMAC-Festival auf dem Flugplatz in Allstedt: Teilhabe zum Anfassen

Vom 10. bis 13. September 2026 war das TARMAC-Festival auf dem Flugplatz in Allstedt. Ich war als örtliche Teilhabemanagerin der Stadt Allstedt vor Ort. Ich habe mir angeschaut: Wie können Menschen mit Behinderung bei einem Festival dabei sein? Hier berichte ich davon. Der Text ist in Einfacher Sprache geschrieben.

Wer macht das Festival?

Das TARMAC-Festival gibt es jedes Jahr. Der Verein TARMAC e. V. organisiert das Festival. Viele Kollektive und Unterstützer*innen helfen mit. Ein Kollektiv ist eine Gruppe von Menschen. Die Gruppe arbeitet gleichberechtigt zusammen. Fast alle Menschen beim Festival arbeiten freiwillig. Sie bekommen kein Geld dafür.

Für die Teilhabe gibt es eine eigene Arbeits-Gruppe: die Teilhabe-AG. In dieser Gruppe arbeitet das TARMAC-Team zusammen mit dem Kollektiv Barrieren Sprengen e. V. Diese Zusammenarbeit gibt es seit dem Jahr 2023.

Was bedeutet Teilhabe?

Teilhabe bedeutet: Alle Menschen können mitmachen. Auch Menschen mit Behinderung. Auch Menschen mit chronischen Krankheiten. Dafür müssen Hindernisse abgebaut werden. Hindernisse nennt man auch Barrieren.

Die Organisator*innen fragen sich jedes Jahr: Wie schaffen wir einen Ort, an dem möglichst viele Menschen willkommen sind? Sie schauen aber auch ehrlich hin: Was geht noch nicht? Wo sind die Grenzen? So wächst das Festival von Jahr zu Jahr. Und die Zugänglichkeit wächst mit.

Das Teilhabe-Camp

Auf dem Zeltplatz gibt es einen besonderen Bereich: das Teilhabe-Camp. Es liegt mitten auf dem Zeltplatz. Es ist nicht abgetrennt. Der Weg dorthin ist mit festen Matten ausgelegt. So kann man gut mit dem Rollstuhl fahren. Der Boden ist eben. Der Weg zu den Bühnen, zu den Toiletten und zum Markt ist kurz.

Im Teilhabe-Camp gibt es:

  • Strom. Der Strom ist vor Regen geschützt. So kann man zum Beispiel einen E-Rollstuhl aufladen.

  • einen Kühlschrank für Medikamente.

  • eine rollstuhlgerechte Toilette in der Nähe.

  • Platz für Freund*innen und für Assistenz-Personen.

Wer etwas ausleihen möchte, kann vorher fragen. Es gibt zum Beispiel Feldbetten, Gehörschutz und polarisierte Sonnenbrillen. Wer etwas anderes braucht, kann das dem Team sagen. Das Team sucht dann nach einer Lösung.

Hilfe durch Assistenz-Personen

Menschen mit einem Teilhabe-Ticket dürfen eine Assistenz-Person kostenlos mitbringen. Auch ein Assistenz-Hund darf mitkommen.

Manche Menschen finden keine Assistenz-Person. Dafür gibt es seit diesem Jahr eine Zusammenarbeit mit der Johanniter-Akademie in Leipzig. Auszubildende und Fachkräfte der Akademie unterstützen beim Festival. Sie helfen zum Beispiel beim Ankommen und auf den Wegen über das Gelände. Wenn es zeitlich passt, gibt es vorher ein Kennenlern-Treffen. Dann können beide Personen schauen: Passt das für uns?

Toiletten und Duschen

Auf dem Gelände gibt es an mehreren Orten rollstuhlgerechte Toiletten. Es gibt zwei beheizte Container mit Dusche und WC. Es gibt mindestens eine rollstuhlgerechte Dusche mit Dusch-Sitz, warmem Wasser und Heizung. Alle barrierefreien Sanitär-Anlagen sind gut beleuchtet. Man kann dort auch die Hände desinfizieren. Für den Zugang braucht man meistens einen Euroschlüssel. Den bekommt man am Infopoint.

Wege, Bühnen und Licht

Die Wege auf dem Gelände sind geebnet. An fast allen Wegen gibt es Rampen. Die Bühnen arbeiten inzwischen oft nach einem gemeinsamen Konzept. An den Bars gibt es abgesenkte Tresen. So kann man auch im Sitzen bestellen.

Es gibt außerdem ein Licht-Konzept. Grelles und flackerndes Licht kann für manche Menschen ein Problem sein. Deshalb steht im Programm und auf dem Gelände: Wann und wo gibt es starke Licht-Effekte? Zu jeder Tages- und Nachtzeit gibt es mehrere Bühnen mit ruhigerem Licht.

Mir sind auch Hinweise zur Gebärdensprache aufgefallen. Sie zeigen: Hier wird an alle gedacht. Das schafft ein Gefühl von Willkommen-Sein.

Das Awareness-Team

Was bedeutet Awareness?

Es bedeutet Achtsamkeit und Aufmerksamkeit. Ein Awareness-Team achtet darauf, dass sich alle Menschen sicher und wohl fühlen.

Das Awareness-Team ist für alle da, die Hilfe oder Beistand brauchen. Zum Beispiel, wenn eine Grenze überschritten wurde. Oder wenn sich jemand in einer Situation unwohl fühlt.

Man findet das Team im Awareness-Zelt auf dem Hauptplatz. Auf dem Lageplan ist das Zelt mit einem großen A gekennzeichnet. Außerdem sind mehrere Teams auf dem Gelände unterwegs. Man erkennt sie an lila Warnwesten. Das Team sagt: Sprecht uns jederzeit an. Wir suchen gemeinsam die beste Lösung.

Der Grundsatz des Festivals ist einfach: Zeigt eure eigenen Grenzen. Achtet die Grenzen der anderen. Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Queer- und Trans-Feindlichkeit und jede andere Form von Diskriminierung haben beim Festival keinen Platz.

Das PsyCare-Team

Was bedeutet PsyCare?

Es bedeutet: Sorge für die Psyche. Das PsyCare-Team hilft Menschen, die seelisch überfordert sind.

Das PsyCare-Team hat mehrere Angebote:

Ein Rückzugs-Raum

Der Raum liegt zwischen den Duschen und den Sanitäter*innen. Es ist ein sicherer, warmer und gemütlicher Ort. Dort ist es ruhig. Es gibt wenig Licht und wenig Lärm. Erfahrene Menschen begleiten dort Personen in einer schwierigen Situation. Man kann dort auch in Ruhe über Erfahrungen mit Rausch-Mitteln sprechen.

Ein Infostand

Der Infostand steht zwischen dem Awareness-Zelt und den Essens-Ständen. Dort gibt es Informationen über Rausch-Mittel und über einen sicheren Umgang damit. Es gibt auch Tee und kleine Snacks. Man zahlt dafür freiwillig eine Spende.

Ein Team zu Fuß

Das PsyCare-Team ist auch auf dem Gelände unterwegs. Immer zu zweit. Die Personen tragen grüne Westen mit der Aufschrift PsyCare. Man kann sie einfach ansprechen. Sie begleiten Menschen zum Beispiel zum Rückzugs-Raum.

Zusätzlich ist während des ganzen Festivals ein Sanitäts-Dienst mit Rettungswagen vor Ort.

Anreise und Tickets

Wer mit dem Auto kommt, kann ein kostenloses Camper-Ticket bekommen. Damit darf das Auto direkt neben dem Zelt stehen. Es gibt auch Parkplätze ganz nah am Einlass.

Wer mit dem Zug kommt, fährt bis zum Bahnhof Sangerhausen. Der Bahnhof hat einen stufenlosen Zugang und ein Blinden-Leitsystem. Vom Bahnhof fahren Shuttle-Busse zum Festival. Diese Busse haben Rollstuhl-Plätze und Rampen.

Für Menschen mit Behinderung gibt es ein eigenes Teilhabe-Ticket. Man bestellt es per E-Mail. Man kann auch um einen Rückruf bitten. In diesem Jahr gab es zum ersten Mal auch Tages-Tickets. Damit können zum Beispiel Wohngruppen nur für einen Tag kommen. Wer ein Teilhabe-Ticket hat, darf eine Assistenz-Person kostenlos mitbringen.

Was noch nicht geht

Das Festival sagt offen, wo es noch Barrieren gibt. Das finde ich stark. Diese Barrieren gibt es zurzeit noch:

  • Einzelne Bereiche der Bühnen sind mit Rollstuhl oder Gehhilfe nur schwer zu erreichen.

  • Nicht alle Bühnen haben ein Podest für eine bessere Sicht.

  • Musik ist für gehörlose Menschen noch nicht erfahrbar.

  • Es gibt kein Blinden-Leitsystem auf dem Gelände.

  • Es gibt noch keine umfassenden Informationen in Leichter Sprache.

Das Team arbeitet daran, diese Barrieren Schritt für Schritt abzubauen. Rückmeldungen von Gästen sind dabei ausdrücklich erwünscht.

Mein Fazit

Teilhabe ist beim TARMAC-Festival kein Zusatz. Teilhabe ist Teil des Ganzen. Ich habe vor Ort erlebt, was es heißt, Teilhabe zu leben. Und ich habe gesehen: So wird Kultur für mehr Menschen zugänglich.

Besonders beeindruckt hat mich die Ehrlichkeit. Das Team feiert nicht nur die Erfolge. Es benennt auch die Grenzen. Genau das ist gute Teilhabe-Arbeit: Man bleibt im Gespräch. Und man wird jedes Jahr ein Stück besser.

Bericht: örtliche Teilhabemanagerin der Stadt Allstedt.
Informationen zum Festival: Internetseite des TARMAC-Festivals (tarmac-festival.de) und Kollektiv Barrieren Sprengen e. V. (barrieren-sprengen.de).

Bar mit abgesenktem Tresen
Hinweis auf starke Lichteffekte
Schwerlastmatten vor einer Bühne
Rampe vor einer Bühne
Rampen als Zugang zu einer Bühne
Hinweis auf Kommunikation mit Gehörlosen
Barrierefreie Sanitäranlage
Barrierefreie Sanitäranlage und Duschcontainer
Einstellungen für mehr Barrierefreiheit

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